Können Sie sich noch an die wüste Polemik erinnern, die der Herr Landeshauptmann italienweit entfachte, als er kundtat, dass er nicht an den Feierlichkeiten zum 150. Jahrestag der Einigung Italiens teilnehmen werde? Es handle sich um ein rein italienischen Fest, argumentierte er, Südtirol sei zu jener Zeit noch Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie gewesen, unser Land sei erst später zum Königreich Italien gekommen – gegen den Willen der Bevölkerung.
Dass nun gerade Südtirol die Einigung Italiens feiern sollte, das sei zu viel des Guten. Die Empörung war nicht nur im Lande Südtirol groß, die Italiener im Lande waren regelrecht beleidigt und entrüstet. Und die Entrüstung schwappte auf die Restrepublik über, es gab keine Zeitung, die nicht darüber berichtet hätte, im üblichen Ton: „Seht euch die verwöhnten Südtiroler an, die holen das Geld vom Staat und sind dann auch noch undankbar. Sollen das viele Geld gefälligst zurückgehen und der bestbezahlte Durnwalder, zum Zwecke immer in Schützenmontur abgebildet, soll nach Österreich, weg mit dem Gesindel, wem es nicht passt, der soll hinaus, siamo in Italia, o no?“
Empörung und Entrüstung waren so groß, dass sie auch ans Ohr des demokratischen und Südtirol-freundlichen Staatspräsidenten Giorgio Napolitanio drangen, der Durnwalder dann, in seiner Ehre gekränkt, von einem gewöhnlichen Presidente di Regione e Provincia eine Absage erhalten zu haben, einen geharnischten Rüffel erteilte. Der sture Südtiroler ließ sich aber nicht umstimmen und blieb zu Hause.Dass auch der Lega-Landeshauptmann Venetiens, Luca Zaia, die Feier schwänzte, wurde als Schrulle der Lega abgetan und nicht weiter kommentiert, immerhin ist die Lega ja Regierungspartei und Zaia ein Ex-Minister. Durnwalders Bosheit hat in loco dazu geführt, dass auf Grund der grassierenden Traurigkeit keine Feierstimmung aufkam. Arme Italiener! Doch nun kommt für den bösen Durnwalder Lob aus der Republik. Das linke Wochenmagazin „L’ Espresso“ widmet unter dem Titel „Partigiano Durni“ dem Landeshauptmann ein Glösschen, weil er sich für den Kampf der Partisanen zu erwärmen scheint, ihm, dem die Feierlichkeiten zum 150. Jahrestag der Einigung Italiens so kalt ließen.
Die Zeitung bezieht das Lob auf das vom italienischen Landeshauptmannstellvertreter Christian Tommasini ins Leben gerufene Festival „Resistenze 2011“, das vom Land organisiert und finanziert wurde. Dass das Festival noch vor seinem Beginn den antifaschistischen Segen des Herrn Staatspräsidenten erhielt, der der Initiative zum Widerstand eine Medaille zuerkannte, kann als nette, noble Geste zum 25. April, dem Tag der Befreiung, gewertet werden, aber auch als Friedensschluss mit dem störrischen Durnwalde (das „R“ spricht man nicht aus) gewertet werden, der sich nun wieder in Harmonie mit der höchsten Autorität im Staate wähnen darf. So schnell geht das, aus dem bösen, italienfeindlichen Crucco (und ein bisschen immer Nazi) wird der Partisan. Freilich, im Lande verspürt man von einem positiven Klima wenig, zur Zeit wird heftig geschürt, der Graben wird immer größer. Wenn es um Mussolini und Wanderwege geht, streitet man munter weiter.
Die einen wollen alles deutsch, die anderen alles italienisch, wer Kompromisse sucht, ist ein Verräter, der Tolomeis Lügen legalisiert, oder ein Calabraghe wie der Bürgermeister und die italienischen Landesräte, die sich der Wolkspartei verkaufen. „Venduti!“ „Dimettetevi!“ Es ist öde, wenn man diese giftige Prosa der Italioten lesen muss. Trotzdem glaube ich, dass der Tag kommen wird, an dem Italiener und Deutsche guten Willens sagen werden: „Basta! Avete rotto i coglioni. Hört endlich auf damit!“ Übrigens, das von Landesrat Tommasini veranstaltete Festival der Resistenza, für das mit einem schönen Plakat geworben wurde, das den zarten, aber so starken Dachau-Häftling Franz Thaler mit einem jungen Mädchen zeigt, war ein großer Erfolg. Es tut sich was.
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