Der hochwürdigste Don Paolo Renner, der sich als Priester an alle delikaten Themen heranwagt und zu den wenigen Priestern dieses Landes gehört, der den Mut zur eigenen Meinung hat, diese auch kundtut, während die Mehrzahl der Pfarrer schweigt und brottelt: Gut, dieser couragierte Professor Renner hat uns die Leviten gelesen und das Fehlen einer Flüchtlingspolitik beklagt und uns alle zu mehr Menschlichkeit aufgerufen, schließlich kommen da Menschen zu uns, die in ihrer Heimat verfolgt werden, Menschen, die vor Not und Elend fliehen, vor Verfolgung und Tod. Mit Repression und Abschottung sei es nicht getan, mahnt der milde und kluge Priester und fordert eine Großherzige eine großherzige Gastfreundschaft.
So einfach ist das aber nicht, denn mit der Gastfreundschaft, nicht nur der Südtiroler, ist es nicht weit her, wenn es um ungebetene Gäste geht, die zudem auch noch versorgt werden müssen. Lampedusa war ja schon immer das Traumziel afrikanischer Flüchtlinge, das Tor zu Europa, aber seit dem Beginn der Unruhen in Nordafrika wurde der Flüchtlingsstrom unaufhaltsam, 43.000 Menschen sollen an die italienischen Küsten gelangt sein, davon mehr als 33.000 auf Lampedusa. Der Bevölkerung von Lampedusa gebührt eigentlich der Friedensnobelpreis, denn es ist geradezu heldenhaft, wie sich diese Leute für diese armseligen, gestrandeten Menschen verwendet haben, die nur das hatten, was sie am Leibe trugen, Frauen, die oft kleine Kinder im Arm hielten, ausgehungerte Kreaturen, die gar nicht mehr weinen konnten. Sie reichten ihnen Wasser und Kleider, wer das Elend sieht, der hilft. Und diese Menschen haben immer geholfen, bis es zuviel wurde und das permanent überbelegte Flüchtlingslager, in dem teilweise unmenschliche Bedingungen und katastrophale sanitäre Zustände herrschten, geschlossen wurde. Und da nun wieder Flüchtlingsboote eintreffen, helfen wir weiter. Und weil alle Regionen irgendwie gefordert waren, hat es auch uns getroffen, einige aufzunehmen. Landesrat Berger ist unser Flüchtlingskommissar in Rom, er hat die politische Aufgabe, so wenige als möglich ins Land zu lassen, er muss alle möglichen Ausreden erfinden, dass es bei uns doch nicht so günstig sei, Flüchtlinge unterzubringen, in den ursprünglich vorgesehen Zelten könne man sie nicht unterbringen, es sei zu kalt, und dann spreche man hier ja Deutsch und die Flüchtlinge, wennschon, Italienisch, kurz, sie seien in anderen Regionen besser aufgehoben.
Erst sollten 20 bis 30 kommen, dann wurden es immer mehr, 125 sind heute da, und nun kündigen sich weitere 500 an, so dass auch neue Kasernen adaptiert werden müssen. Das Volk nimmt das so zur Kenntnis, das Volk ist eigentlich gar nicht rassistisch, wenn es nicht aufgehetzt wird, das Volk hat in der Regel ein großes Herz, ist hilfsbereit und spendet gern. Freilich hätten es alle lieber, wenn die Leute in ihren Herkunftsländern unterstützt würden, aber Flüchtlinge flüchten, weil sie in ihren Ländern aufgrund ihrer Rasse, sexuellen Neigung, ethnischen Zugehörigkeit oder Religion verfolgt werden. Andere verlassen ihr Heimatland aufgrund der sozialen, wirtschaftlichen oder politischen Bedingungen bzw. eines Krieges. Viele Libyer gehören dazu, die wegen des Krieges das Land verlassen und zu uns kommen, es ist schließlich nur ein Katzensprung, und wir waren ja so dumm, uns in den Krieg hineinziehen zu lassen, während die gescheite Merkel zuschaut und uns Bomben abwerfen lässt. Nun wird von den Rechtsparteien die Landesregierung attackiert, weil sie dem Volk nicht die Wahrheit gesagt habe, weil immer mehr Flüchtlinge kämen, weitere 500 seien einfach zuviel und und. Auf der anderen Seite forderten die Grünen, man möge doch nicht so mickrig sein und Häuser und Herzen für die Flüchtlinge öffnen. Es sei Platz genug da und Geld auch, die Armen zu unterstützen. Wem soll es der sehr katholische Landesrat Berger nun recht machen?
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