Wenn der Staat schon sparen will, dann soll er bei sich selbst anfangen und uns endlich in Ruhe lassen, muss sich der Herr Landeshauptmann gedacht haben, als sich der Sparkommissar der Regierung Monti ankündigte.
Der Staat schaffe sich in Südtirol einfach ab, weg mit dem Regierungskommissariat und vor allem weg mit der verhassten, si fa per dire, Region, tönte der Luis. Ach, wie blutete das Herz seines regionalen Busenfreundes Lorenzo Dellai, als er die Worte aus dem Munde des verehrten Freundes hören musste, aber Dellai tröstete sich, so ernst gemeint war die Forderung des Herr Landeshauptmannes nicht, wohl eher eine Boutade, die in regelmäßigen Abständen zum Besten gegeben wird, von allen deutschen Parteien, SVP inklusive, auch wenn diese weiß, dass es dazu eine Verfassungsänderung braucht und dass es nicht genügt, im Regionalrat den Beschlussantrag der Blauen zu verabschieden, wie diese immer vorgeben, um die Region abzuschaffen.
Dass die Region Trentino-Südtirol seit dem „Los von Trient“ ein politisches Gebilde ist, das den Südtirolern nach wie vor fremd ist, ist wahr. Heute ist sie den Südtirolern egal, weil sie ja keine Macht hat, aber jahrzehntelang wurde sie als Ort der Übervorteilung gesehen, als politisches Gängelband, ein politisches Konstrukt, geschaffen, um die deutsche Minderheit in der Region an der Kandare zu halten. Ein Ort, wo die Italiener das Sagen hatten und der vom schlauen Alcide Degasperi geschaffen wurde, um auch seine Trentiner mit dem Segen der Sonderautonomien auszustatten, zum anderen um dem Staat über die italienischen Parteien die politische Kontrolle der Crucchi zu garantieren. Seitdem ist viel Wasser die Etsch hinuntergeflossen, fast alle Kompetenzen sind auf die beiden Provinzen Bozen und Trento übergegangen, geblieben ist ein politisches Organ, das kaum Kompetenzen hat und als neues Bindeglied zwischen den Provinzen überdacht und neu erfunden werden müsste. Warum eine Europaregion Tirol erfinden, wenn wir eine Region haben, in der alle Platz haben könnten? Und dann haben wir in der Region ja zwei wichtige Frauen an der Spitze, die Sozialtante Martha Stocker und die institutionelle Frau Rosa Zelger Thaler, beide stolze Regionalweiber, beide gegen die Region, beide aber froh, regionale Ämter innezuhaben. Bis sie endlich abgeschafft wird, ist ja klar. In der zur Zeit grassierenden Sparwut ist die Abschaffung der Provinzen in Italien, der kleinen Gemeinden Thema und so wird auch die Abschaffung der Region Trentino-Südtirol wieder aktuell, nicht aus politischen Gründen, das ist neu, nein, nur aus Spargründen.
Auch die rosa Wirtschaftszeitung „Il sole 24 ore“ spottete gegen unsere Region und forderte deren Abschaffung, sie verwalte nur sich, gebe 13,3 Milliarden Euro aus und eigentlich wisse man gar nicht, was denn die 175 Angestellten treiben. Soll man die Region also abschaffen, um zu sparen? Aber würde man sparen? Gut, der Regionalrat könnte seine Auslösung beschließen, die Liegenschaften würden auf die beiden Länder übergehen, die 175 Angestellten idem, gespart würde gar nichts, im Gegenteil, der oft beklagte enorme Apparat des Landes würde zunehmen. Man stelle sich vor, wenn die Region ihre Leute entlassen würde: Die Gewerkschaften würden zu Streiks aufrufen und die soziale Kälte und Brutalität der Politik beklagen, es würde Kundgebungen geben, Hungerstreiks.
Aber der Hauptgrund, warum die Region so schnell nicht aufgelöst werden wird, ist ein politischer. Die Trentiner werden nicht der Auflösung jener Körperschaft zustimmen, die ihnen die Sonderautonomie gewährt. Es wird also so weitergehen, die beiden Regionaldamen Martha Stocker und Rosa Thaler werden in den blauen Dienstwägen herumgefahren werden, entlassen werden darf niemand. Aber die Auflösung fordern kann man immer. Weil wir sparen müssen und zur Zeit die Wutbürger verbal befriedigt werden müssen.
Arnold Tribus
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