Flucht ist – von außen betrachtet - das plötzliche, schnelle
Verlassen eines Ortes, um einer Gefahr zu entgehen. Im Fluchtpunkt eines Bildes
schneiden sich alle gedachten Geraden des Bildes, welche parallel zur
Blickrichtung vom Betrachter wegführen.
Der Brenner ist seit jeher ein Fluchtpunkt im Denken der Menschen, ein Tor zum
Süden oder zum Norden. Die Überwindung dieses Alpenpasses ermöglicht eine
Flucht vor dem Alltag, hinein in den ersehnten Urlaub.
Dieses Motiv
des Fluchtpunktes setzen die beiden Nordtiroler Künstler Christian
„Yeti“ Beirer und Thomas Schafferer nun im Rahmen des Projektes
„Scalini 84 Stufen“ in einer mehrteiligen Arbeit um.
1.
Zwölfteilige Arbeit „flucht, punkt“ von Thomas Schafferer
Zentraler Kern der Arbeit „Fluchtpunkt Brenner“
sind 12 leere, weiß gestrichene Heustiefel (=„Heumandln“ ohne Heu),
deren Skelett (= Stiefel) als Basis und Trägergestänge jeweils eines
„Fluchtweg“-Schildes dient. Diese 12 „Heumandln“ werden
am Kunstinterventionsgelände in Form eines Dreiecks gleich einer Pfeilspitze in
Fluchtrichtung Süden platziert.
Die Heustiefel (als Relikt einer vergangenen Form der Landwirtschaft) stellen
symbolisch die hier in den Alpen lebenden Menschen dar (auch entsprechend dem
Urbild der Tiroler), deren archaischer Charakter hinter der glatten weiß
gestrichenen Fassade schlummert und die dabei das Motiv der Flucht (=Schild)
permanent im/am Kopf haben.
Auf den einzelnen Fluchtweg-Schildern ist außerdem jeweils ein Wort zu lesen
(=als Gedanke des jeweiligen „Heu-Menschen“). Diese 12 Begriffe
ergeben zusammengesetzt einen literarischen Text, welcher erst im Kopf des
Betrachters zusammengesetzt wird, da die Heustiefel und ihre Schilder scheinbar
ungeordnet gruppiert sind und somit inspirative, assoziative Gedanken zulassen.
Mag. Thomas
Schafferer
geb. 1973 in Innsbruck, lebt in Pfons / Österreich
(1. Arthur-Haidl-Preisträger der Stadt Innsbruck)
Seit 1987 setzt er sich polyartistisch in verschiedenen künstlerischen
Bereichen u.a.
Literatur, Malerei, Photographie, Graphik oder Video mit unterschiedlichsten
Themen
auseinander. Während und nach dem Studium der Politikwissenschaft ergeben sich
zahlreiche Publikationen (10 inoff. und 4 offiz. Gedichtbände), Auftritte,
Präsenta-
tionen, Ausstellungen und Lesungen in über zehn europäischen Staaten. 1998
gründet Thomas Schafferer Tirols einziges Literaturmagazin Cognac &
Biskotten und agiert seither u.a. als Chefredakteur. 2004 wird er für sein
bisheriges Schaffen mit dem „1. Arthur-Haidl-Preis für Jugend und
Kultur“ der Stadt Innsbruck ausgezeichnet. Es folgen Literatur-Stipendien
in Österreich (2006), in Italien (2006) und
in der Schweiz (2007).
Weitere Informationen unter www.schafferer.net
COGNAC
& BISKOTTEN
DAS TIROLER LITERATURMAGAZIN
Chefredaktion: Mag. Thomas Schafferer
Adresse: Römerweg 19, A-6143 Pfons
Telefon: +43/650 / 50 750 50
ZVR-Zahl: 861109276
Mail: redaktion@cobi.at
Internet: www.cobi.at
Fluchtpunkt Brenner
Garteninstallation
von Christian Yeti Beirer
Auf knappe 3 m² kann man eintauchen in einen kleinen
Paradiesgarten der als Sinnbild für alte und moderne Sehnsüchten nach dem Süden
(Sonne und Meer) angelegt wurde.
Hier am Brenner, am Scheitelpunkt dieser Sehnsucht, trifft der Norden auf den
Süden.Hier ziehen Kolonen von urlaubshungriger Menschen durch und am
Brennermarkt werden die Gummistiefel gegen Flip-Flops ausgestausch – der
Urlaub beginnt hier.
„Denn im Süden will ich mich
unter die Zypressen legen und im hohen Gras
ringsum werden die Zikaden singen“
Marie Luise Habicher
Der Paradiesgarten am Fluchtpunkt Brenner ist in Form zwei
kleiner geometrischer Grundflächen angelegt. Der Garten ist mit verschiedenen
Pllanzen, die typischerweise das Bild vom Süden prägen (Orangen, Zitronen,
Zypressen, Wein....) ausgestaltet.
Daneben finden sich Betonfiguren auf Holzsäulen, ausgerüstet mit Knödel,
Zitronen, Bier und Espressokannen, die nochmals diese Sehnsüchte, auf einer
ironischen Ebene hin verdichten.„F: Südliche Nächte Travnicek
T: Hearns ma auf mit'n
Süden...“
Qualtinger/Merz
Als ich als Kind mit meinen Eltern zum ersten Mal auf dem
Brenner stand, hatte ich ein merkwürdiges Gefühl. Unzweifelhaft war hier, trotz
des schlechten Wetters, „Süden“ und doch gleichzeitig aber auch
Tirol.
Es begann schon mit den umständlichen Passkontrollen und den mürrischen
Zöllner. Die rostigen Autobahnleitplanken an der Brennergrenze haben sich
ebenso in mein Gedächtnis eingeprägt wie der kalte Wind und die vielen Gerüche
am Brennermarkt.
Später dann, bei der Heimfahrt, habe ich die am Brenner gegessenen Nudeln
gleich unterhalb der Europabrücke wieder hinaus gekotzt. Der Urlaub im Süden
war vorbei.
„Norden oder Süden ist einerlei, wo Licht ist da ist
auch Schatten und das eigene Ich ist leider auch immer dabei.....“
Unbekannt
Christian Yeti Beirer
Geboren am 11.09.1966 in Oberletzen,
Bezirk Reutte. Kochlehre. Studium der Politikwissenschaft an der Universität
Innsbruck, Abschluss zum Mag. Phil.
Arbeitet als Regionalkoordinator bei den Tiroler Grünen.
Ausstellungen in Reutte, Telfs,Untermieming, Imst, Innsbruck, Gossensass,
Bruneck, Hall, Schwaz, Wörgl, Kufstein und Wien.
Bevorzugte Arbeitsmaterialien sind Acyrl und Pigment auf Leinwand und Papier
sowie Skulpturen aus Keramikplast.
Von 1987 bis 2004 als Herausgeber und Illustrator der „Edition
Yeti-Literaturkalender“ tätig. Zuletzt erschien in dieser Edition:
„Literarische Gipfelsiege 2004“ mit Texten von Doris Mitterbacher
und Kurt Lanthaler.
Diverse Plakat- und Buchillustrationen zuletzt in „Flurnamengeschichten
Südtirol“ im Studienverlag und Karikaturen in der Uni-press der
Österreichische Hochschülerschaft Innsbruck.
Mag. Christian "Yeti" Beirer
Museumstraße 11
A-6020 Innsbruck
Tel: 0512/57 71 09 -0
Fax: 0512/57 71 09 -10
E-Mail: yeti@gruene.at
EIN DANK FÜR DIE
UNTERSTÜTZUNG: Peter Kaser, Christian Yeti Beirer, Günther Moschig, Myriam
Antinori, Erich/Christine Schafferer, Mäggy Singer und Familie Klaus/Christl
Krösbacher (Grawa-Alm & Feldhof im Stubaital)!
gefördert von / con
il sostegno di :
- Südtiroler Volksbank - Banca Popolare
dell'Alto Adige
- Euro Alpin Dolomit
- Autonomen Provinz Bozen - Südtirol
Provincia
autonoma di Bolzano - Alto Adige
- Assessorat für
Kultur - Assessorat für Vermögen
- Assessorato alla
cultura - Assessorato al Patrimonio
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