"scalini 84 stufen" - FLUCHTPUNKT BRENNER
Montag, 28. August 2006 - 05:16
fluchtpunkt-brennerFlucht ist – von außen betrachtet - das plötzliche, schnelle Verlassen eines Ortes, um einer Gefahr zu entgehen. Im Fluchtpunkt eines Bildes schneiden sich alle gedachten Geraden des Bildes, welche parallel zur Blickrichtung vom Betrachter wegführen.

fluchtpunkt-brenner-2 Der Brenner ist seit jeher ein Fluchtpunkt im Denken der Menschen, ein Tor zum Süden oder zum Norden. Die Überwindung dieses Alpenpasses ermöglicht eine Flucht vor dem Alltag, hinein in den ersehnten Urlaub. Dieses Motiv des Fluchtpunktes setzen die beiden Nordtiroler Künstler Christian „Yeti“ Beirer und Thomas Schafferer nun im Rahmen des Projektes „Scalini 84 Stufen“ in einer mehrteiligen Arbeit um.


1. Zwölfteilige Arbeit „flucht, punkt“ von Thomas Schafferer
Zentraler Kern der Arbeit „Fluchtpunkt Brenner“ sind 12 leere, weiß gestrichene Heustiefel (=„Heumandln“ ohne Heu), deren Skelett (= Stiefel) als Basis und Trägergestänge jeweils eines „Fluchtweg“-Schildes dient. Diese 12 „Heumandln“ werden am Kunstinterventionsgelände in Form eines Dreiecks gleich einer Pfeilspitze in Fluchtrichtung Süden platziert.
Die Heustiefel (als Relikt einer vergangenen Form der Landwirtschaft) stellen symbolisch die hier in den Alpen lebenden Menschen dar (auch entsprechend dem Urbild der Tiroler), deren archaischer Charakter hinter der glatten weiß gestrichenen Fassade schlummert und die dabei das Motiv der Flucht (=Schild) permanent im/am Kopf haben.
Auf den einzelnen Fluchtweg-Schildern ist außerdem jeweils ein Wort zu lesen (=als Gedanke des jeweiligen „Heu-Menschen“). Diese 12 Begriffe ergeben zusammengesetzt einen literarischen Text, welcher erst im Kopf des Betrachters zusammengesetzt wird, da die Heustiefel und ihre Schilder scheinbar ungeordnet gruppiert sind und somit inspirative, assoziative Gedanken zulassen.

Mag. Thomas Schafferer
geb. 1973 in Innsbruck, lebt in Pfons / Österreich
(1. Arthur-Haidl-Preisträger der Stadt Innsbruck)

Seit 1987 setzt er sich polyartistisch in verschiedenen künstlerischen Bereichen u.a.
Literatur, Malerei, Photographie, Graphik oder Video mit unterschiedlichsten Themen
auseinander. Während und nach dem Studium der Politikwissenschaft ergeben sich
zahlreiche Publikationen (10 inoff. und 4 offiz. Gedichtbände), Auftritte, Präsenta-
tionen, Ausstellungen und Lesungen in über zehn europäischen Staaten. 1998 gründet Thomas Schafferer Tirols einziges Literaturmagazin Cognac & Biskotten und agiert seither u.a. als Chefredakteur. 2004 wird er für sein bisheriges Schaffen mit dem „1. Arthur-Haidl-Preis für Jugend und Kultur“ der Stadt Innsbruck ausgezeichnet. Es folgen Literatur-Stipendien in Österreich (2006), in Italien (2006) und
in der Schweiz (2007).

Weitere Informationen unter www.schafferer.net

COGNAC & BISKOTTEN
DAS TIROLER LITERATURMAGAZIN
Chefredaktion: Mag. Thomas Schafferer
Adresse: Römerweg 19, A-6143 Pfons
Telefon: +43/650 / 50 750 50
ZVR-Zahl: 861109276
Mail: redaktion@cobi.at
Internet: www.cobi.at

Fluchtpunkt Brenner
Garteninstallation von Christian Yeti Beirer
Auf knappe 3 m² kann man eintauchen in einen kleinen Paradiesgarten der als Sinnbild für alte und moderne Sehnsüchten nach dem Süden (Sonne und Meer) angelegt wurde.
Hier am Brenner, am Scheitelpunkt dieser Sehnsucht, trifft der Norden auf den Süden.Hier ziehen Kolonen von urlaubshungriger Menschen durch und am Brennermarkt werden die Gummistiefel gegen Flip-Flops ausgestausch – der Urlaub beginnt hier.
„Denn im Süden will ich mich
unter die Zypressen legen und im hohen Gras
ringsum werden die Zikaden singen“
Marie Luise Habicher
Der Paradiesgarten am Fluchtpunkt Brenner ist in Form zwei kleiner geometrischer Grundflächen angelegt. Der Garten ist mit verschiedenen Pllanzen, die typischerweise das Bild vom Süden prägen (Orangen, Zitronen, Zypressen, Wein....) ausgestaltet.
Daneben finden sich Betonfiguren auf Holzsäulen, ausgerüstet mit Knödel, Zitronen, Bier und Espressokannen, die nochmals diese Sehnsüchte, auf einer ironischen Ebene hin verdichten.„F: Südliche Nächte Travnicek
T: Hearns ma auf mit'n Süden...“
Qualtinger/Merz
Als ich als Kind mit meinen Eltern zum ersten Mal auf dem Brenner stand, hatte ich ein merkwürdiges Gefühl. Unzweifelhaft war hier, trotz des schlechten Wetters, „Süden“ und doch gleichzeitig aber auch Tirol.
Es begann schon mit den umständlichen Passkontrollen und den mürrischen Zöllner. Die rostigen Autobahnleitplanken an der Brennergrenze haben sich ebenso in mein Gedächtnis eingeprägt wie der kalte Wind und die vielen Gerüche am Brennermarkt.
Später dann, bei der Heimfahrt, habe ich die am Brenner gegessenen Nudeln gleich unterhalb der Europabrücke wieder hinaus gekotzt. Der Urlaub im Süden war vorbei.
„Norden oder Süden ist einerlei, wo Licht ist da ist auch Schatten und das eigene Ich ist leider auch immer dabei.....“
Unbekannt

 

Christian Yeti Beirer
Geboren am 11.09.1966 in Oberletzen, Bezirk Reutte. Kochlehre. Studium der Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck, Abschluss zum Mag. Phil.
Arbeitet als Regionalkoordinator bei den Tiroler Grünen.
Ausstellungen in Reutte, Telfs,Untermieming, Imst, Innsbruck, Gossensass, Bruneck, Hall, Schwaz, Wörgl, Kufstein und Wien.
Bevorzugte Arbeitsmaterialien sind Acyrl und Pigment auf Leinwand und Papier sowie Skulpturen aus Keramikplast.
Von 1987 bis 2004 als Herausgeber und Illustrator der „Edition Yeti-Literaturkalender“ tätig. Zuletzt erschien in dieser Edition: „Literarische Gipfelsiege 2004“ mit Texten von Doris Mitterbacher und Kurt Lanthaler.
Diverse Plakat- und Buchillustrationen zuletzt in „Flurnamengeschichten Südtirol“ im Studienverlag und Karikaturen in der Uni-press der Österreichische Hochschülerschaft Innsbruck.

Mag. Christian "Yeti" Beirer
Museumstraße 11
A-6020 Innsbruck
Tel: 0512/57 71 09 -0
Fax: 0512/57 71 09 -10
E-Mail: yeti@gruene.at

EIN DANK FÜR DIE UNTERSTÜTZUNG: Peter Kaser, Christian Yeti Beirer, Günther Moschig, Myriam Antinori, Erich/Christine Schafferer, Mäggy Singer und Familie Klaus/Christl Krösbacher (Grawa-Alm & Feldhof im Stubaital)! 

Peter Kaser

www.peterkaser.net

 

gefördert von / con il sostegno di :

- Südtiroler Volksbank - Banca Popolare dell'Alto Adige
- Euro Alpin Dolomit
- Autonomen Provinz Bozen - Südtirol
  Provincia autonoma di Bolzano - Alto Adige 
- Assessorat für Kultur - Assessorat für Vermögen
- Assessorato alla cultura - Assessorato al Patrimonio

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