Schütteltrauma: Eine unterschätzte Gefahr für Säuglinge – Podcast

Wenn Schütteln Leben zerstört: Warum Aufklärung Babys schützt

by Radio Sonnenschein
Wenn Schütteln Leben zerstört: Warum Aufklärung Babys schützt

Wenn Schütteln Leben zerstört: Warum Aufklärung Babys schützt

Schütteltrauma: Eine unterschätzte Gefahr für Säuglinge

Ein einziger impulsiver Moment kann genügen: Schon kurzes, heftiges Schütteln eines Säuglings kann lebenslange Schäden verursachen oder tödlich enden. Aufklärung ist daher entscheidend, um Kinder wirksam zu schützen.

In Südtirol werden jährlich etwa ein bis zwei Neugeborene wegen eines Schütteltraumas (Shaken Baby Syndrome) behandelt. Fachleute gehen jedoch von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus. „Das ist nur die Spitze des Eisbergs“, betont die Arbeitsgruppe ProChild im Südtiroler Sanitätsbetrieb.

Das Schütteltrauma ist eine schwere Form der Kindesmisshandlung. „Es entsteht, wenn Säuglinge oder Kleinkinder geschüttelt werden. In diesem Alter sind die Nackenmuskeln noch zu schwach, um den Kopf zu stabilisieren. Das Gehirn wird dabei im Schädel hin und her bewegt – mit schwerwiegenden Folgen wie Blutungen, Schwellungen und irreversiblen Hirnschäden“, erklärt Dr.in Micol Cont, Primaria der Pädiatrie am Krankenhaus Sterzing.

Umso wichtiger ist gezielte Prävention. Anlässlich der nationalen Tage zum Schütteltrauma-Syndrom beteiligt sich der Südtiroler Sanitätsbetrieb an einer Sensibilisierungskampagne. Am 23. April wird von 9 bis 15 Uhr im Eingangsbereich des alten Krankenhauses Bozen ein Informationsstand eingerichtet. Dort informieren Fachkräfte rund um Dr.in Laura Battisti, Primaria der Pädiatrie in Bozen, sowie die ProChild-Gruppe über Ursachen, Risiken und Präventionsmöglichkeiten.

Ein zentrales Risiko ist anhaltendes, schwer beruhigbares Weinen. „Wenn ein Neugeborenes unaufhörlich schreit, geraten Eltern schnell an ihre Grenzen. Aus Erschöpfung kann es zu impulsiven Reaktionen kommen“, erklärt Dr.in Sonja Montonesi, Kinderärztin am Krankenhaus Bozen. Besonders häufig tritt das Schütteltrauma zwischen der zweiten Lebenswoche und dem sechsten Monat auf – genau in jener Phase, in der Säuglinge am meisten weinen.

Die Folgen sind gravierend: Bereits wenige Sekunden heftigen Schüttelns können zu Blutungen, Gewebeschäden und Durchblutungsstörungen im Gehirn führen. Mehr als die Hälfte der betroffenen Kinder trägt bleibende Schäden davon – darunter kognitive Beeinträchtigungen, Lern- und Verhaltensstörungen sowie Verzögerungen in der Entwicklung. In etwa jedem zehnten Fall endet ein Schütteltrauma tödlich.

Die Diagnose ist oft schwierig, da die Symptome unspezifisch sein können. Dazu zählen Trinkschwäche, starke Schläfrigkeit, Reizbarkeit, Bewusstseinsstörungen, anhaltendes Weinen, Krampfanfälle oder Atemprobleme. Fachkräfte raten deshalb: Bei jedem Verdacht sofort medizinische Hilfe in Anspruch nehmen – auch wenn das Schütteln nur kurz war.

„Unstillbares Weinen kann extrem belastend sein. Doch ein Kind zu schütteln, ist niemals eine Lösung“, betont Dr.in Giovanna Tezza, Kinderärztin am Krankenhaus Bozen. Ihr Rat: Wenn die Belastung zu groß wird, das Baby sicher ablegen, den Raum verlassen und Unterstützung holen. Eltern sollten nicht zögern, Familie, Freunde oder Nachbarn um Hilfe zu bitten.

Sabes/IG

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